Das denkmalgeschütze Küsterhaus neben der Kirche St. Laurentius und St. Vincentius ist ein s.g. Gulfhaus. Es ist eine Bauernhausform, die im 16. und 17. Jahrhundert in Ostfriesland aufkam und Wohnhaus, Stall und Scheune unter einem Dach beherbergt. Seine Entstehung verdankt das Gulfhaus ökonomischen Gegebenheiten. Der Vorgänger des Gulfhauses war das altfriesische Bauernhaus, das wie das Gulfhaus auch, ein Wohnstallhaus darstellte.
Diese kleinen Gebäude reichten den Landwirten räumlich aus, da keine große Ernte einzulagern war. Getreideanbau war nur auf wenigen hoch liegenden Flächen möglich, während die ungenügend entwässerten Marschen sich nur als Gras- und Weideland eigneten. Durch verbesserte Entwässerungstechniken mit Wind-Wassermühlen konnten später fruchtbare tiefer liegende Marschgebiete trockengelegt und großflächig für Getreideanbau genutzt werden. Zur Bergung der wachsenden Erntemengen wurde ein Haus mit großem Fassungsvermögen nötig, woraus das Gulfhaus entstand.Das typische Gulfhaus besteht aus einem Vorderhaus das den Wohntrakt darstellt, und dem angrenzenden Stall-/Scheunentrakt. Dadurch, dass im hinteren Bereich das Dach weiter herabgezogen wird, entstehen Abseiten, so dass der Scheunentrakt breiter ist als der Wohntrakt. Das Zentrum des Stall-/Scheunentraktes bildet der „Gulf“, eine Lagerfläche für Heu, Erntegut und Gerät, dem dieser Haustyp seinen Namen verdankt.
Hier in Backemoor stehen ein paar dieser Gulfhäuser um die Kirche herum verteilt. Während zwei in Privatbesitz sind, gehört das hier abgebildete Küsterhaus zur Kirche und wird aktiv von der Gemeinde genutzt.
Ich habe den Blick unter den mächtigen alten Bäumen hindurch besonders geliebt. Das satt grüne Moos gibt dem ganzen einen leicht morbiden Eindruck, oder?
Gerade hier beim zweiten Bild kann man gut den typischen Baustil, mit dem weiter heruntergezogenen Dach des Stall- und Scheunentraktes erkennen.

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