Upper Geyser Basin am Tag der Sonnenfinsternis
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The Great American Eclipse, 21st of August — und wir waren nicht dabei. Gerade erst in Old Faithful angekommen, war für uns schnell klar, dass wir uns nicht auf der einzigen Straße aus dem Yellowstone in Richtung Grand Teton Nationalpark auf den Weg zur Sonnenfinsternis machen wollten. Dort würde mit Sicherheit ein einziger Stau sein. Daher war unsere Planung eine Tageswanderung durch das Upper Geyser Basin, von Old Faithfull zum Biscuit Basin und retour — zusammen rund 12,5 km.

Wie auch schon im Grand Teton waren wir früh morgens auf der Wanderroute, bzw. am Geyser Hill in der Old Faithful Region. Dort liegen viele heiße Quellen und Geysire, der ganze Hügel ist am Dampfen. Von dort hat man einen tollen Überblick über Old Faithful mit seinen vielen Lodges und Einrichtungen und bis hinüber zum Black Sand Basin. Überall sahen wir es dampfen!

Yellowstone - Firehole River & Geyser Hill (2385)
Yellowstone — Firehole River & Geyser Hill (2385)

Zu unserem Glück hatten wir uns für die südliche Route am Geyser Hill entschieden. So kamen wir recht bald an den Beehive Geyser. Wir konnten den Konus des Geysirs trocken liegen sehen, aber davor zischte in einem dünnen Strahl immer wieder Wasser aus dem Boden — Beehive’s Indicator. Ein Blick auf die Infotafel verriet, dass dieses Ventil einen nahen Ausbruch des Beehive ankündigen würde! Wir brauchten nicht lange zu warten — der Beehive bricht nur alle 14 Stunden aus und wir waren zufällig vor Ort! Und aufgrund der Sonnenfinsternis an diesem Tag waren nur 2 weitere Personen mit uns an dieser Attraktion — wer sehen möchte, wie es unter »normalen« Umständen dort aussieht, sollte bei Yellowstone Naturalist nachsehen.

Yellowstone - Beehive Geyser & Beehive's Indicator (2430)
Yellowstone — Beehive Geyser & Beehive’s Indicator (2430)

Um meine Objektive für dem Geysir-Spray zu schützen, blieb ich östlich des Geysirs in sicherem Abstand, wie sich herausstellte die richtige Entscheidung. Der Weg weiter vorn wurde vollständig vom Spray eingedeckt und aus meiner Sicht bildete sich im Verlauf der Eruption sogar noch ein Regenbogen in der Gischt der Fontäne. Das Titel-Foto dieses Beitrags.

Der Beehive Geyser hat einen Durchmesser von 1 Meter und stößt für 5–6 Minuten das Wasser bis zu einer Höhe von 60 Metern — ohne Unterbrechung:

Yellowstone - Beehive Geyser (2515)
Yellowstone — Beehive Geyser (2515)

Das war wahnsinnig eindrucksvoll! Solche Art von Geysiren nennt man Turbinen-Geysir, weil das Wasser ohne Unterbrechung ausgestoßen wird.

Nicht weit davon entfernt kamen wir an die Weggabelung, die uns nach Westen zum Castle Geyser geführt hätte. Aber den wollten wir lieber auf dem Rückweg mitnehmen. Also gingen wir auf dem Plankenweg weiter nach Norden, um kurz danach zwischen den Bäumen noch die letzten Stöße des Grand Geysers zu sehen. Im Gegensatz zum Beehive Geyser, ist es beim Grand Geyser kein ununterbrochener Strom heißen Wassers, sonder immer wieder kurze Stöße. Die letzten 3 oder 4 bekamen wir aus vielleicht 100m Entfernung noch mit.

Yellowstone - Grand Geyser (2567)
Yellowstone — Grand Geyser (2567)

 

Hier sind Bänke in zweier Reihen für wartende Zuschauer aufgebaut, wir trafen aber nur eine Rangerin, die auf einem Informations-Schild den erwarteten Zeitraum für die nächste Eruption eintrug. Warum waren wir nur so allein? Umso mehr konnten wir die Natur für uns genießen!
Bis hier waren wir erst rund 2 km gewandert und hatten über eine Stunde mit Staunen und beeindruckenden Erlebnissen verbracht. Noch ca. 1,5 km lagen vor uns, um den Morning Glory Pool zu erreichen. Aber dort wollten wir gar nicht so früh sein, weil die Sonne erst höher am Himmel stehen musste, um in den Morning Glory Pool zu leuchten. Nur dann würde seine Farbpracht so richtig zur Geltung kommen.

Wir sind noch wieder an so vielen Pools und derzeit inaktiven Geysiren vorbeigekommen, dass ich hier nur eine Auswahl der Eindrücke wiedergeben möchte. Der Giant Geyser brodelte vor sich hin und klang eher wie eine ältere Geschirrspülmaschine, so wurde das Wasser in seinem zu uns offenen Konus umgewälzt.

 

Nachdem wir wieder auf dem befestigten und Rollstuhl geeigneten Weg nach Norden waren, kamen wir kurz hinter den Chain Lakes wieder an den Firehole River. Wir überquerten ihn jetzt ein drittes mal und wieder waren die Ufer weiß von der Kieselerde der vielen Abflüsse der Quellen. Direkt dahinter liegt linker Hand der Morning Glory Pool. Er ist zangenförmig von den Wegplanken umgeben. Lieder ist dieser berühmte Pool ein typisches Beispiel für Vandalismus im Yellowstone Nationalpark. Er war ehemals blau im Zentrum, was deutlich machte, dass er damals heißer gewesen war. Immer wieder hatten Besucher Münzen in diesen Pool geworfen, was zunehmend zu einer Verstopfung des Zuflusses führte und damit den Pool abkühlte. Heute herrscht grün in seinem Inneren vor.

Yellowstone - Morning Glory Pool (2612)
Yellowstone — Morning Glory Pool (2612)

Der Pool war trotzdem schön anzusehen. Die hellen Flecken auf der Wasseroberfläche waren übrigens tote Insekten, u.a. Libellen.

Danach ging es weiter Richtung Biscuit Basin. Der Weg änderte sich. Er war nicht mehr geteert sondern ein einfachen Schotterweg und führte durch einen dichteren Wald. Offensichtlich war hier auch sonst nicht mehr so viel Publikum, denn am Anfang stand ein Schild mitten auf dem Weg, was vor den Gefahren durch Bären warnte. Wir waren deshalb besonders laut — zumindest in den ersten Minuten, bis wir den Hügel hinauf waren und an etwas offeneres Gelände und zu neuen heiße Quellen kamen. Der Artemisia Geyser und der Gem Pool waren erreicht:

Es war schon erstaunlich, dass auch auf den abgeschiedenen Verbindungswegen immer wieder geothermale Quellen zu finden waren. Ca. 1,5 km vom Morning Glory Pool entfernt kamen wir das erste Mal an die Ringstraße und sahen gegenüber das Biscuit Basin liegen und den dazugehörigen Parkplatz, auf dem heute nur 9 Autos bzw. Wohnmobile zu sehen waren. Es war inzwischen 11:00 Uhr, normalerweise wären hier die Parkplätze überfüllt und viele Autofahrer würden versuchen, einen Platz am Straßenrand zu finden. Noch ca. eine Stunde und wir würden hier die partielle Sonnenfinsternis erleben. Da Bären in der Dämmerung aktiver sein sollen, beschlossen wir, nicht um diese Zeit in den Wald zurückzukehren, sondern lieber eine ausgedehnte Pause in in dieser ausgedehnten baumlosen Fläche zu machen.

Yellowstone - Biscuit Basin: Black Opal Pool und Black Diamond Pool (2658)
Yellowstone — Biscuit Basin: Black Opal Pool und Black Diamond Pool (2658)

 

Zu Beginn des Areals liegen rechter Hand zwei große heiße Pools — der östliche heißt Black Opal Pool und der größere oberhalb Black Diamond Pool. Rechter Hand sieht man noch den Firehole River vorbeiströmen.

Yellowstone - Biscuit Basin: Black Opal Pool und Black Diamond Pool (2663)
Yellowstone — Biscuit Basin: Black Opal Pool und Black Diamond Pool (2663)

 

Während wir auf einer Bank gegenüber der beiden Pools unsere Pause machten, trat die Sonne in den Kernschatten des Mondes ein. Wir konnten die schöne Sonnensichel gut beobachten und halfen zwischendurch einmal einem asiatischen Paar und deren Kindern mit unseren Spezial-Brillen zur Sonnenbeobachtung aus. Es wirkte wie in einem alten Italo-Western als die Dämmerung einsetzte. Es war eine rein blaue Dämmerung — der Rotanteil fehlte vollkommen. Ich konnte feststellen, dass ich ca. 3–4 mal länger belichten hätte müssen, um die gleiche Helligkeit in meine Bilder zu bekommen.

Etwas oberhalb  vom Black Opal und Black Diamond Pool liegt der Sapphire Pool. Bei einem Erdbeben 1938 brach er als Geysir bis zu 38 Meter hoch aus und schoss die um den Rand liegenden keks-ähnlichen Geysirit-Strukturen in die Gegend. Daher hat das Becken seinen Namen: Biscuit Basin.

Yellowstone - Biscuit Basin: Sapphire Pool (2691)
Yellowstone — Biscuit Basin: Sapphire Pool (2691)

Das Biscuit Basin ist in der Pracht seiner Pools durchaus mit dem West Thumb Geyser Basin zu zu vergleichen. Es fehlt der See im Hintergrund und man kann zudem nicht von so vielen unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Pools blicken. Aber allein die unterschiedlichen Färbungen der blauen Pools — mal milchig Blau, mal glasklar Blau — und dazu die gelb/rötlichen Abflüsse.

Auf dem Rückweg haben wir uns spontan für den Wanderweg westlich des Firehole Rivers entschieden. Es ist ein kleiner Abschnitt des Continental Divide Trails. Wir kamen durch ein kleines noch recht junges Waldgebiet und hatten häufig den Blick auf die Uferbereiche des Flusses unterhalb der Pools, die wir auf unserem Hinweg gesehen hatten. Auf Höhe des Grotto Geysers kamen wir zurück auf unseren Hinweg. Wir wählten wieder den Weg auf den Holzbohlen. In etwa auf Höhe des Grand Geyers öffnete sich der Blick auf das Gebiet um Old Faithful. Da war doch schon wieder ein Geysir am ausbrechen! Sehr bald wurde deutlich, dass es der Castle Geyser sein musste. Am Ende unserer Tageswanderung hatten wir wieder ein so großes Glück — der Castle Geyser bricht auch nur alle 14 Stunden aus!

Yellowstone - Castle Geyser (2827)
Yellowstone — Castle Geyser (2827)

Der Castle Geyser besteht aus einem der größten Geyserit Strukturen weltweit. Er ist ca. 3,7 Meter hoch und hat oben einen Durchmesser von 6 Metern. Sein Konus ist rund 1.000 Jahre alt. Zu unserem Glück dauert jeder Ausbruch recht lang, sodass wir nicht nur den Geysir erreichen konnten sondern ihn auch noch in Ruhe betrachten konnten, bevor seine lange Dampf-Phase begann.
Zum Abschluss des tollen Tages noch ein Blick zurück auf den Castle Geyser. Der Tag begann mit dem Ausbruch des Beehive Geysers und endete hier mit dem Ausbruch des Castle Geysers!

Yellowstone - Castle Geyser (2845)
Yellowstone — Castle Geyser (2845)

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